Eine Außenbeziehung zwingt zur Klarheit

Eine Außenbeziehung zwingt zur Klarheit

Wenn es in einer Partnerschaft zu einer Außenbeziehung gekommen ist und der betroffene Partner sich weigert, diese zu beenden, gleichzeitig aber auch die bestehende Partnerschaft nicht aufgeben möchte, befindet sich das Paar in einer hochbelastenden, oft festgefahrenen Dynamik. Aus paartherapeutischer Sicht geht es in dieser Situation zunächst weniger um schnelle Lösungen als um Klarheit, Schutz und Verantwortungsübernahme.

Für den betrogenen Partner steht meist ein massiver Bindungs- und Vertrauensbruch im Vordergrund. Gefühle von Ohnmacht, Wut, Angst und Entwertung sind typische Reaktionen. Therapeutisch ist es zentral, dass diese Person sich innerlich stabilisiert und ihre eigenen Grenzen ernst nimmt. Das bedeutet: klar zu benennen, was emotional nicht tragbar ist, und sich nicht in eine dauerhafte Dreiecksposition drängen zu lassen, in der Unsicherheit und Schmerz chronisch werden. Selbstfürsorge, Unterstützung durch vertraute Menschen oder therapeutische Begleitung sind in dieser Phase besonders wichtig.

Der Partner mit der Außenbeziehung befindet sich häufig in einem inneren Konflikt zwischen Bindung, Autonomie und ungelösten Bedürfnissen. Aus therapeutischer Sicht ist entscheidend, dass er Verantwortung für die Situation übernimmt, statt sie zu relativieren oder zu „verwalten“. Das gleichzeitige Festhalten an zwei Beziehungen ist keine neutrale Entscheidung, sondern eine aktive Gestaltung, die für den Hauptpartner meist hochverletzend ist. In der Therapie wird hier oft deutlich gemacht, dass Nicht-Entscheiden ebenfalls eine Entscheidung ist – mit entsprechenden Konsequenzen.

Eine Außenbeziehung zwingt zu Klarheit und Verantwortungsübernahme

Für das Paar insgesamt braucht es zunächst eine Klärungsphase, nicht sofort eine Versöhnungsarbeit. Zentrale Fragen lauten:

  • Welche Bedeutung hat die Außenbeziehung emotional und funktional?
  • Was fehlt in der bestehenden Partnerschaft – und was davon wurde nie ausgesprochen?
  • Unter welchen Bedingungen ist die Partnerschaft für beide überhaupt fortführbar?

Paartherapeutisch kann es hilfreich sein, einen klar begrenzten Rahmen zu vereinbaren, etwa eine zeitlich definierte Phase der Reflexion, idealerweise begleitet durch Therapie. Ziel ist nicht, Druck auszuüben, sondern Entscheidungsfähigkeit wiederherzustellen. Wichtig ist: Eine tragfähige Weiterführung der Partnerschaft ist langfristig nur möglich, wenn Bindungssicherheit wiederhergestellt werden kann. Das gelingt nicht, solange eine Außenbeziehung aktiv aufrechterhalten wird und grundlegende Bedürfnisse nach Exklusivität oder emotionaler Sicherheit verletzt bleiben.

In dieser Konstellation geht es weniger um Kompromisse als um Klarheit. Beide Partner sind eingeladen, Verantwortung für sich und ihre Grenzen zu übernehmen. Ob dies zu einer Trennung, einer Neuverhandlung der Beziehung oder einem bewussten Abschluss führt, ist offen – entscheidend ist, dass niemand dauerhaft in einem Zustand emotionaler Überforderung verbleibt.

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